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Home-Office, der neue Hype!

......Aladin´s Wunderlampe?

Homeoffice ist der neue Trend, spart Kosten und Zeit und leistet sogar noch einen Beitrag für unsere Umwelt. Große Konzerne wie die Allianz denken daran Büroflächen zu verkleinern und Belegschaften dauerhaft von zu Hause arbeiten zu lassen. Da ist von 50% der Belegschaft die Rede. Manager können damit durch Kosteneinsparungen glänzen und Mitarbeiter wähnen mehr Freiheit und Unabhängigkeit durch das Arbeiten von zuhause. Nachstehend ein paar Fragen, die noch fast oder gänzlich unbeantwortet sind.

Was passiert mit dem Teamgeist?
Mitarbeiter sind im Homeoffice von den sozialen Kontakten weitgehend ausgeschlossen. Eine grundlegende Motivation für Menschen ist es mit anderen und für andere aktiv etwas zu leisten. Wie funktioniert es zukünftig beispielsweise einen Erfolg zu teilen, über ein Skypemeeting? Wie soll die Führungskraft wertschätzend fördern und fordern? Was ist mit den überaus wertvollen Pausen, die zusammen verbracht werden und in denen auch geschäftliche Themen besprochen werden, Informationen ausgetauscht werden? Die meist zufälligen Flurgespräche fallen auch komplett weg. Ich kann mir gut vorstellen, dass es eine wesentlich geringere Identifikation mit dem Unternehmen und damit auch Motivation bei Menschen geben wird, die dauerhaft vom Homeoffice ausarbeiten.

Wie wirkt sich Homeoffice auf körperliche und psychische Gesundheit aus?
Nun, das weiß aktuell niemand. Mediziner warnen auf jeden Fall bereits jetzt vor Haltungsschäden, wegen nicht ergonomischer Arbeitsplätze. Psychisch kann es zu einer Vereinsamung führen. Mangelnde Zugehörigkeit kann bis zu Identitäts-Krisen führen.  Wir sind evolutionär soziale Wesen, ausgerichtet um in der Gruppe erfolgreich zu sein. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass es auch annähernd so wirkungsvolle Gruppendynamiken virtuell geben wird, wie wenn Menschen sich treffen. Das führt mich zur nächsten Frage?

Was passiert mit Leistung und Output?
Zusammenhänge werden komplexer und damit für den Einzelnen immer weniger zu begreifen. Das Team, die Gruppe wird also in der Zukunft eine immer größere Rolle spielen. Es wird mehr und mehr Schnittstellen für Projekte und Kommunikation geben. Schnittstellen sind erfahrungsgemäß für ein System Risikostellen, und das wird dann alles virtuell gemeistert?  Dazu kommt, dass es eben keine spontanen Gespräche geben wird, wenn gerade etwas zu klären ist. Es ist nicht möglich mal eben ins Nebengebäude zu laufen und mit einem Kollegen einer anderen Abteilung persönlich etwas zu klären. Nach meiner Erfahrung krankt das heute schon, wie wird das erst, wenn ein Großteil der Belegschaft im Homeoffice ist? Ich sehe jetzt schon die endlosen Ping-Pong-Mails.

Homeoffice und Karriere?
Wie sollen sich Mitarbeiter und Führungskraft kennen und schätzen lernen. Wie kann sich jemand im Homeoffice gut vernetzen und auf sich aufmerksam machen, beispielsweise mit seinen kommunikativen Fähigkeiten? Wie soll ein Chef seine Mitarbeiter beurteilen, wenn er ihn nur vom Bildschirm kennt. Wer Karriere machen will, braucht mehr als nur Leistung. Da geht es auch viel um Vertrauen und das nur virtuell aufzubauen und zu halten wird schwer funktionieren. Die Konsequenz könnte sein, dass noch weniger vom dem so wichtigen Vertrauen in Unternehmen herrscht und damit die Blindleistung gefördert wird.

Wie können neue Mitarbeiter eingearbeitet werden?
Neue Mitarbeiter werden maßgeblich über Vorbilder geprägt und diese sind dann nur noch zu sehen und zu hören, aber nicht mehr zu spüren.  Gut, das mag bei gewissen Zeitgenossen besser sein, ich behaupte aber einmal, da fehlt eine wesentliche Komponente, nämlich das Gefühl.  Darüber hinaus gibt es keine Möglichkeit den Kollegen einfach mal zu fragen, weil er da ist, wenn etwas zu klären ist. Es muss das Telefon benutzt werden oder gar ein virtueller Termin gemacht werden, das ist weder effizient noch befriedigend. Einarbeitungszeiten werden also länger dauern. Wenn das einher geht mit einer seit Jahren kürzer werdenden Verweildauer im Unternehmen, wird Effizienz sinken.

Homeoffice und demografischer Wandel?
Unsere Belegschaften werden älter. Nachgewiesen ist, dass Menschen im fortgeschrittenen Alter mehr Impulse von außen brauchen, um leistungsfähig zu bleiben. Wie soll das im Homeoffice funktionieren? Es kann also gut sein, dass die Isolierung gerade bei älteren Mitarbeitern den Leistungsabfall beschleunigt.

Was passiert mit der Unternehmenskultur?
Die Kultur eines Systems beschreibt sich über die Werte, die im System von den Menschen gelebt werden. Wie sollen diese im System gelebt werden, wenn es keinen oder nur sporadischen persönlichen Kontakt gibt? Wie soll das im Unternehmen weitergetragen werden an neue Mitarbeiter? Die überaus mageren Erfolge von Visualisierungen über Displays oder Poster von "Unsere Unternehmenswerte" sind hinreichend bekannt.
Kulturen müssen sich ändern und anpassen, manchmal sehr schnell, um zu überleben. Wichtig ist dabei nur, das Kulturwandel nicht nur von kurzfristigen Einsparungen getrieben ist.


Fazit:
Bevor wir nun blind wie die Lemminge den Vorteilen, die das Homeoffice birgt, erliegen, machen wir uns besser damit vertraut, wie Homeoffice langfristig wirkt. Dazu gibt es mit der jetzigen Situation bereits genug Lernerfahrung, zum Beispiel bei international agierenden Teams. Ich spreche dort immer wieder mit Führungskräften, die darüber klagen wie schwierig es ist ein multikulturelles Team zu führen. Spannend dabei ist immer wieder die Aussage, "nach unserem Präsenz-Jahresmeeting läuft es erst einmal besser, aber nur für kurze Zeit."
Durch Corona haben wir die Möglichkeit zu lernen, wo Homeoffice sinnvoll ist und wie einfach es funktionieren kann. Allerdings haben wir, relativ gesehen, erst sehr wenig Erfahrung damit. Weitblick und systemisches, vernetztes Denken ist gerade jetzt gefragt, um die tollen Chancen zu nutzen, die das Homeoffice bietet zu nutzen. Kosten zu sparen für den nächsten Jahresabschluss ist sicher kein ausreichend guter Treiber.

Viele Grüße, Rolf Söder

 

Referenzen

  • Barbara Witte
    "Nach diesen beeindruckenden 2 Tagen mit Live Demos, an denen man selbst spüren kann, was für wunderbare Methoden und Formate es gibt, traf ich eine eindeutige Entscheidung, meinen beruflichen Weg mit voller Energie auf das Coaching auszurichten. "
  • Kurt Herzig
    "Ich habe es Rolf Söder nicht immer leicht gemacht – das war spannend und er souverän. Alles in allem wertvolle Menschen kennengelernt, an wertvollem Lernstoff geschnuppert und die Lust zum Weitermachen wurde entfacht."
  • Astrid Kellenbenz
    "Die Ausbildung zum Systemischen Coach hat mich gefordert und verändert: Natürlich habe ich viel über das Coaching, seinen Prozess und die dazu gehörigen Interventionen gelernt. Genauso viel aber, wenn nicht sogar mehr über mich selbst."
  • Oliver Walter
    "Die Atmosphäre innerhalb der Gruppe war ausgezeichnet und die Ausbildung dank vieler Demonstrationen und Übungen lebendig und praxisorientiert."

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